Rezension-Arthur Ewert Revolutionär auf drei Kontinenten

23.02.2016 13:01

 

Rezension-Arthur Ewert Revolutionär auf drei Kontinenten

Von Max Brym 


In der Reihe "Geschichte des Kommunismus und des
Linkssozialismus" hat der Dietz Verlag Berlin eine umfassende
Biografie über das Leben des deutschen Kommunisten Arthur Ewert,
herausgebracht. Der Autor der sehr lesenswerten Biografie ist
Ronald Friedmann. Auf  400 Seiten erfährt man ungeheuer viel, nicht
nur über die Person Arthur Ewert, sondern gleichzeitig eine Unmenge
über die jüngste Zeitgeschichte, sowie über die Arbeiterbewegung,
auf mehreren Kontinenten. Arthur Ewert wurde 1890 im damaligen
Heinrichswalde, genauer in den Gassen einem kleinen Ortsteil in der
ostpreußischen Landgemeinde Heinrichswalde geboren. Schon vor dem
Ersten Weltkrieg schloss sich Arthur Ewert, der damaligen
Sozialdemokratie an. Von Berlin aus emigrierte er zusammen mit
seiner Frau kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges nach Kanada.
Dort wurden er und seine Gattin Mitglied der "Sozialdemokratischen
Partei von Nordamerika". Zu Beginn des Ersten Weltkriegs trennte
sich das Paar und Arthur tauchte einige Zeit lang in den USA unter.
Gegen Ende des Weltkriegs wurde Arthur Ewert, in Kanada interniert.
Im Frühsommer 1919 kehrte er nach Deutschland zurück und schloss
sich umgehend der KPD an. Nach der Biografie war Ewert, ein durch
sein Selbststudium sehr gebildeter Arbeiter. Bereits Anfang 1920
arbeitete Ewert als hauptamtlicher Funktionär für die KPD. Er war
am Kampf zur Niederschlagung des Kapp Putsches 1920 unmittelbar
beteiligt. Auf dem achten Parteitag der KPD im Januar 1923 wurde
Arthur Ewert in das Zentralkomitee der KPD gewählt. Ab Sommer 1923
war er als Abschnittsleiter West der KPD für die Vorbereitung des
Aufstandes der Arbeiterklasse in maßgeblicher Funktion tätig. Der
Autor der Biografie macht immer wieder deutlich, dass Arthur Ewert,
weder zum so genannten ultralinken Flügel, der damaligen KPD um
Ruth Fischer und Ernst Thälmann, gehörte, aber auch nicht zum
rechten Flügel der KPD, um Heinrich Brandler, und August
Thalheimer. Etwas wenig schreibt der Autor zum Krisenjahr 1923 und
zur verpatzten Revolution durch die Brandlerführung der KPD. Der
Autor ist sehr um Objektivität bemüht, dennoch kann er seine tiefe
Abneigung gegen die so genannten Ultralinken in der damaligen KPD
nicht verbergen. Es wäre gut gewesen nicht nur Fehler der
Brandleristen anzudeuten, sondern auch darauf hinzuweisen, dass die
"Ultralinken", um Fischer und Maslow, damals teilweise recht
hatten in dem sie Brandler, "Untätigkeit" vorwarfen. Sie
unterstellten damals Brandler zurecht, dass seine ganze Strategie
nur darauf abzielte, die linke Sozialdemokratie auf den "rechten
Flügel der Revolution" zu ziehen. Dies erwies sich als großer
Fehler und führte zum kampflosen Rückzug der KPD im Oktober 1923.
Das obwohl im Jahr 1923, der Kommunismus das einzige MAL in der
deutschen Geschichte mehrheitsfähig innerhalb der Arbeiterklasse
war. Die abgesagte Revolution vom Oktober 1923 stürzte die KPD in
eine tiefe Krise.Arthur Ewert, gehörte damals zur so genannten
"Mittelgruppe" innerhalb der KPD Führung. Auf diese
"Mittelgruppe" setzte die damalige Führung der Kommunistischen
Internationale. Die "Mittelgruppe" wandte sich gegen
rechtsopportunistisches Kapitulantentum aber auch gegen ,die
linkssektiererische Ablehnung jeglicher -Einheitsfront Politik-
gegenüber der damaligen Sozialdemokratie. Kurzfristig gehörte im
Winter 1923 Arthur Ewert, zur engeren KPD Führung unter dem
nominellen Parteivorsitzenden Hermann Remmele. Auf dem Parteitag im
April 1924 setzte sich getragen von massiven linken Neigungen,
besonders innerhalb der jungen Schichten der Arbeiterklasse, die
"Linke" um Ruth Fischer und Ernst Thälmann, gegen die "
Brandleisten" durch. Auch die Vertreter der Mittelgruppe der KPD
wurden abserviert. Arthur Ewert, verlor alle Führungsfunktionen
innerhalb der Partei. In den Jahren 1924-1925 lebte Ewert im
wesentlichen illegal, weil ihn der bürgerliche Staat wegen seiner
Rolle im Jahr 1923 suchte. Erst nach dem "Offenen Brief der
Kommunistischen Internationale" an die KPD, vom September 1925
welcher sich gegen die Fehler der ultralinke Führung der KPD vor
allem in der Gewerkschaftspolitik richtete, rückte Arthur Ewert
wieder näher an die KPD Führung heran. Ab dem Jahr 1926 bis zum
zwölften Parteitag der KPD 1929 gehörte Arthur Ewert, dem
politischen Sekretariat dem höchsten Leitungsorgan der KPD an. Die
Person Arthur Ewert stand für die damalige Politik, der so
genannten "Konzentration". Dass war ein Bündnis aus ehemaligen
Ultralinken welche zu Stalinisten mutierten und Angehörigen der
Mittelgruppe, um Ewert und dem ehemaligen Parteivorsitzenden, dem
alten Spartakisten Ernst Meyer. Im Jahr 1928 spielten sich neuerlich
schwere Auseinandersetzung innerhalb der Führung der KPD ab. Arthur
Ewert stand zusammen mit anderen, wie zum Beispiel Hugo Eberlein und
Gerhard Eisler, gegen die neue ultralinke Wende der Kommunistischen
Internationale. Im Frühsommer 1928 auf dem sechsten Weltkongress
der Komintern, begann die Politik der so genannten dritten Periode.
Auf dem Kongress wurde die Sozialdemokratie zum Hauptfeind erklärt
. Die stalinisierte Komintern ging von einem ununterbrochenen
revolutionären Aufschwung im Rahmen der dritten Periode aus. Die
Gruppe um Ewert und Meyer, ( Versöhnler genannt) wandten sich gegen
die Theorie des Sozialfaschismus, sowie gegen die einfache
Voraussage, dass man unmittelbar vor der Revolution stünde. Im
September 1928 wurde bei nur einer Enthaltung der Beschluss des ZK
der KPD gefasst, den Parteivorsitzenden Ernst Thälmann von all
seinen Funktionen zu entbinden . Grund dafür war, dass Thälmann
die Unterschlagung von Parteigeldern durch seinen Hamburger
Statthalter John Wittdorf, den Leistungsgremien der KPD verschwieg.
Schon wenige Tage später intervenierte Stalin persönlich und
setzte Ernst Thälmann faktisch wieder in all seiner Ämter ein. Es
begann eine große Kampagne gegen die " Versöhnler" und
"Brandleristen". Die Gruppe Meyer-Ewert stand im politischen
Gegensatz zu Heinrich Brandler und August Thalheimer. Sie wollte
aber für die Reichstagswahlen im Jahr 1928, die beiden oben
genannten als Kandidaten für den Reichstag nominieren. Ab dem Jahr
1929 wurden die " Versöhnler" innerhalb der KPD immer mehr an
den Rand gedrängt. Verbissen versuchten Ewert und Meyer den
ultralinken Sozialfaschismus Irrsinn zu bekämpfen. Über diesen
Kampf ist in der Biografie so einiges zu lesen. Mit dem zwölften
Parteitag der KPD verlor Arthur Ewert neuerlich seine
Führungsfunktionen innerhalb der KPD. Er war allerdings seit 1928
Mitglied des Reichstages, dem er bis 1930 angehörte. In dieser Zeit
hielt Artur Ewert bis heute sehr lesenswerte Reden. In einem Exkurs
schreibt der Biograf von Arthur Ewert, besonders über den Kampf von
Ewert, gegen den Paragraphen 218 und gegen die Verfolgung von
Homosexuellen in der Weimarer Republik. In dieser Frage engagierte
sich Artur Ewert besonders. Dies sowohl im Reichstag als auch zuvor
im sächsischen Landtag. Im Februar 1930 kapitulierte Artur Ewert in
einer Erklärung offiziell vor der KPD Führung. In der Erklärung
nannte er die Positionen der " ehemaligen Versöhnler inhaltlich
falsch". Damit lösten sich die Versöhnler spricht das Zentrum in
der KPD faktisch auf. Der ehemalige Cheftheoretiker der "Versöhnler"
Ernst Meyer musste dies nicht mehr erleben. Meyer verstarb Anfang
Februar 1930. Im Frühsommer 1930 nach Auflösung des Reichstages
verlor Ewert sein Mandat. Zur neuen Reichstagswahl wurde er nicht
mehr nominiert. Ewert reiste nach Moskau und wurde der
Kommunistischen Internationale zur Verfügung gestellt.


Ewert in Montevideo, China und Brasilien.


Im Jahr 1930 wurde Ewert als Beauftragter der Komintern nach
Uruguay geschickt. Ziemlich genau ein Jahr leitete er dort die
kommunistischen Gruppen und Parteien Südamerikas an. Anschließend
verbrachte er knapp zwei Jahre in Shanghai, um die Kommunistische
Partei Chinas zu beraten und anzuleiten. Die Arbeit in China
beschreibt der Autor nach meinem dafürhalten etwas zu kurz. Ab Ende
1932 ist Ewert wieder in Lateinamerika. Eng arbeitete er dort ab
1934 mit dem" Ritter der Hoffnung" Luís Carlos Prestes, dem
Ehemann der deutsch-jüdischen Kommunisten Olga Benario zusammen.
Nachdem der Aufstand der Kommunisten in Brasilien im November 1935
scheiterte, setze eine Welle der Repression und der Gewalt gegen die
gesamte Opposition in Brasilien ein. Arthur Ewert wurde am 26.
Dezember 1935 in Rio de Janeiro, zusammen mit seiner Ehefrau Else
Ewert verhaftet. Der Autor der Biografie über Arthur Ewert zitiert
einen brasilianischen Romanautor welcher schrieb:" Noch niemals
wurde ein Mensch so gefoltert und gemartert wie Arthur Ewert." Bis
heute ist Artur Ewert in weiten Teilen Brasiliens als "Märtyrer
der Revolution" bekannt. Dies ganz im Gegensatz zu Deutschland,
die Geschichte der Arbeiterbewegung wurde in Deutschland weit gehend
entsorgt. Im Rahmen der Haft, unter der bestialischen Folter, verlor
Arthur Ewert, ab 1937 den Verstand. Nach jahrelangen Bemühungen,
die vor allem von der Schwester von Arthur Ewert geleistet wurde,
kam Arthur Ewert im Jahr 1947 frei. Ewert lebte bis 1959 in einer
Heilanstalt auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Im Jahr 1959 verstarb
Arthur Ewert. Das "Neue Deutschland" brachte zu seinem Tod 1959
einen längeren Nachruf ohne zu behaupten, dass Arthur Ewert ein
enger Mitkämpfer von Ernst Thälmann war. Das Grab von Arthur Ewert
befindet sich auf dem Friedhof der Sozialisten in Berlin. Die Frau
von Arthur Ewert, Else Ewert, wurde genauso wie Olga Benario, an die
Nazis1937 ausgeliefert. Beide Frauen wurden von den Faschisten
ermordet.


Eine verdienstvolle Biografie


Der Autor der Biografie Ronald Friedmann, hat ein wichtiges Werk
der linkspolitischen Öffentlichkeit vorgelegt. Genau und sehr
detailliert beschreibt er den Lebensweg eines disziplinierten und
kämpferischen Kommunisten. Allerdings ist die Biografie nicht
leicht zu lesen, bei einigen Passagen sollte der Leser oder die
Leserin zusätzliche Kenntnisse über die Geschichte der
Arbeiterbewegung haben. Die Biografie könnte allerdings dazu
anregen sich neuerdings mit den Erfahrungen der Arbeiterbewegung, in
ihrem Kampf gegen den Kapitalismus, aber auch mit ihren negativen
Erfahrungen mit dem Stalinismus zu befassen. Auf alle Fälle, ist
die Biografie eine sehr lohnende Lektüre.

Arthur
Ewert


 

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